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Elektrisches Auto ausleihen

Unterwegs im flachen Niederbayern.
Unterwegs im flachen Niederbayern.

Haag – Seit wenigen Monaten steht ein elektrisch betriebenes Auto beim Kindergarten am Haager Schachenwald mit einem auffälligen Logo des Projektes „Mümo“. Zum selben Thema gab es kürzlich einen Hinweis in der Zeitung, nämlich dass ein elektrischer Roller am Oberndorfer Feuerwehrhaus ebenfalls zur Verfügung steht. Wie praktikabel ist das? Hier ist ein Praxistest.

Die wichtigsten Dinge stehen im Handbuch.
Die wichtigsten Dinge stehen im Handbuch.

Interessant war dabei die Frage, wie der Mietvorgang aussieht und ob Sorgen berechtigt sind, mit dem Fahrzeug ohne Strom irgendwo liegenzubleiben. Selbst hatte ich bis dahin noch kein Elektroauto aufgetankt, nur fallen mir hin und wieder Stromtankstellen auf; dazu weiß ich, dass es unterschiedliche Ladestecker gibt. Welchen unser Testauto, eine Renault Zoe, besitzt, wusste ich vor Antritt der Fahrt nicht. Was lag also näher, als sich optimistisch gestimmt in den dünn besiedelten Bayerischen Wald aufzumachen und zu schauen, was passiert.

Die Renault Zoe.
Die Renault Zoe.

In Gemeinderatssitzungen im Landkreis kam dieses Projekt zur Sprache, das die ländliche Entwicklung mit einer neuen Form der Mobilität unterstützen will. Dort kamen jedoch viele zu dem Ergebnis, erst einmal abzuwarten, statt direkt zu unterstützen. Denn wer benötigt aus Sicht des öffentlichen Nahverkehrs auf den letzten Kilometern vor Ort ein Fahrzeug, zu dem er auch noch erst einmal hinkommen muss? Das war eine der Fragen. In Haag betrifft das etwa einen elektrischen Roller am gar nicht zentral gelegenen Oberndorfer Feuerwehrhaus. Das am Schachenwald geparkte Auto ist da schon besser erreichbar. Was man mitbringen muss: Ein Handy und die Fähigkeit und Geduld, darauf eine App zu installieren und Hinweise zu lesen. Das Handy sollte auch das Navi sein, denn im Auto gibt es leider keines.

Die Stadt Regen von oben.
Die Stadt Regen von oben.

Am Anfang steht eine Registrierung auf der Internetseite www.muemo.bayern. Dort steht auch, dass dieses Projekt „innovative Ansätze“ erprobt, den Individualverkehr zu reduzieren. Gefördert wird das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorerst auf drei Jahre, was danach passiert, ist offen. Anzulegen ist bei der Anmeldung zuerst einmal ein Konto bei Mümo mit persönliche Daten plus Angabe einer Bankverbindung, um das Mieten zu bezahlen. Spannend kann es bei der Überprüfung des Führerscheins werden, sobald er älter ist. Zu empfehlen ist dabei die App „Postident“, die auch mit dem „grauen Lappen“ etwas anfangen kann. Abfotografieren und zusammen mit einem dreisekündigen Video von sich als Lebendbeweis hochladen und dann ein paar Minuten warten. Alternativ geht die Bestätigung des Führerscheins aber auch im Rathaus. Diese Überprüfung der Fahrerlaubnis ist jedes halbe Jahr zu wiederholen.

Aufladen
Aufladen

Mit einem QR-Code kommt anschließend die passende App aufs Handy, die Zugriff auf den Standort verlangt, um das Angebot anzuzeigen. Das geht alles recht flott, beim Aufruf der App werden bereits die verfügbaren Fahrzeuge im Landkreis angezeigt. Das sind unter anderem der besagte Roller und die Renault Zoe in Haag, ein Lastenfahrrad und eine weiterer Zoe in Ampfing, ein E-Bike plus siebensitziger Nissan eNV200 Nissan in Oberbergkirchen und so weiter. Angezeigt wird jeweils der Ladestand des Fahrzeugs, der Standort und die Ausstattung. Die Buchung in der übersichtlich gehaltenen Oberfläche erfolgt über einen Kalender, den man selbst abonnieren kann, oder die Buchung wird in den eigenen Kalender importiert. Dieser Planer und das, was er anzeigt, ist dann auch der größte Schwachpunkt, denn der Nutzen steht und fällt mit der Verfügbarkeit, aber so ist das nunmal mit Mietautos. Es gibt Stunden-, verbilligte Tages- und Wochenendbuchungen, hinzu kommen die gefahrenen Kilometer. Pro Stunde sind das 2,50 Euro plus 15 Cent je Kilometer. Aufladen ist im Preis eingeschlossen, eine Vollkasko-Versicherung mit 300 Euro Selbstbeteiligung auch. Bei Unfall oder Panne hilft ein Pannenservice rund um die Uhr. Das Fahrzeug sollte sauber hinterlassen werden, denn eine Sonderreinigung kostet 400 Euro, Rauchen im Fahrzeug 100 Euro. Der gesamte Vorgang des Anmeldens, Mietens und auch der Rückgabe läuft elektronisch ohne menschlichen Kontakt ab.

Die Ladesäule am Bahnhof.
Die Ladesäule am Bahnhof.

Beim Auto angekommen wird es spannend. Das Handy öffnet nach Aufruf der App über Bluetooth die Türen. Der Autoschlüssel in Form eines Transponders liegt im Handschuhfach, der entweder auf die Mittelablage kommt. Ein Leitfaden in einem kleinen Ordner befindet sich im Auto und informiert über das Wichtigste.

Im Elektroauto ist der Motorraum leer? Trifft bei der Zoe nicht zu.
Im Elektroauto ist der Motorraum leer? Trifft bei der Zoe nicht zu.

Der erste Blick in den Innenraum des fast neuen Autos mit gut 8000 Kilometern ist ernüchternd: Einen Staubsauger hat es wohl selten gesehen. Also los in Richtung Tankstelle zum Reinigen, denn so mag ich nicht losfahren. Apropos fahren: das Auto schwebt mehr als es fährt, zumindest ist so das Gefühl. Das muss die Zukunft sein, denke ich, eine ordentliche Beschleunigung ohne Schalten, auch kein automatisches, stört den Vorwärtsdrang. Kein Brummen, kein Vibrieren, kein Motorgeheule – das beeinflusst das Gefühl für die tatsächliche Geschwindigkeit; ich bin immer wieder zu schnell.

Stadtmitte von Regen.
Stadtmitte von Regen.

Die Batterie ist nach 150 Kilometern bei 65 Prozent, auf der steilen Ruselhochstraße hinter Deggendorf sinken der Ladestand und die Reichweite schneller, so dass ich überlege, ob das wirklich eine gute Idee war, losgefahren zu sein, ohne einmal nach einer Elektrotankstelle, geschweige denn nach einer passenden, geschaut zu haben. Zurück muss ich ja auch noch. Mich ermutigt aber die Bemerkung eines Bekannten: Mit einem Elektroauto bleibst du heutzutage nicht mehr leer stehen. Also, weiter in Richtung Kreisstadt Regen. Dort bin ich immer noch bei über 50 Prozent, es könnte zurückreichen, aber ich will’s wissen. Wo lade ich hier auf? Die Ladekarte dazu ist im Handschuhfach. Also den Anbieter EnBW ins Navi getippt, und schon tauchen einige Adressen zu Ladestellen auf, 60 Kilometer sind aber mindestens zu fahren. Ist dort vielleicht alles belegt oder gar geschlossen, dann wird’s knapp. Das kann’s doch nicht sein, denke ich. Also schaue ich bei EnBW direkt auf der Internetseite, dort wird die Installation der App „EnBW mobility+“ nahegelegt. Nach dem Öffnen des Programms lüftet sich plötzlich ein Schleier, die Welt ist voll mit Ladestationen. Entfernung, Typ, frei oder nicht, all das wird angezeigt, samt Route. Alleine zwölf hier in Regen, alle paar Kilometer folgen weitere. Ich fahre zum Bahnhof, suche mir die passende Säule, stecke das Kabel ein, halte die Karte dagegen und werde sofort übers Handy zum Ladestand benachrichtigt. Ökostrom heißt dabei, dass derjenige das Geld erhält, der auch Ökostrom liefert. Eine gute Stunde hab ich jetzt Zeit, da hätte ich mir mit etwas Planung die vorherige Parkgebühr sparen können. So einfach kann das sein. Ziemlich entspannt gehts zurück in Richtung Heimat, jetzt auch etwas flotter.

In Regen
In Regen

Das Projekt

Startschuss des Projektes war der 1.2.2020; die Möglichkeit, ein Fahrzeug zu mieten, begann im vorigen September. Mit Ampfing, Buchbach, Haag, Neumarkt St. Veit, Oberbergkirchen, Schönberg und Schwindegg unterstützen das sieben Gemeinden im Landkreis. Man habe sich den Start besser vorgestellt, erklärt Melanie Buchner von der Projektleitung, denn die Corona-Maßnahmen fielen in diese Zeit. Doch mit den Lockerungen gewann das nun an Fahrt, und man habe „stark steigende Nutzungszahlen“, und „das Angebot wird aus unserer Sicht gut angenommen“. Vor Beginn gab es eine Testphase, so dass es nun „kaum Nachfragen“ zum Vorgang des Buchens an sich gebe. Einen Überblick zur Zufriedenheit habe man noch keinen, dazu ist eine Umfrage unter den Nutzern geplant. Übrigens ist das auch für gewerbliche Nutzer interessant: Auf Wunsch gibt es nicht nur einen Beleg, sondern auch eine Rechnung.

Auf der Ruselhochstraße.
Auf der Ruselhochstraße.

Was die Sauberkeit angeht, verweist sie an die Gemeindeverwaltungen, die „größtenteils“ zuständig seien. Das bestätigt Markus Wagner, Mümo-Beauftragter im Haager Rathaus. Bei der Nutzung sei unter anderem die Sauberkeit zu bewerten. Wenn hierbei etwas beanstandet werde, werde man aktiv. Bei der Nutzung des Autos in Haag liege man bei der Buchung über dem Durchschnitt, dennoch hat die Renault Zoe einige Standzeiten. Die Zahl der Buchungen bewegt sich seit einem Jahr zwischen fünf und 20, wobei Nutzungsdauer und Kilometer in den letzten Monaten stark zugenommen haben.

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