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Fasspichen in der Brauerei

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Bei
der Arbeit.
Bei der Arbeit.

Forsting – Holzfasspichen kennt heute kaum noch jemand, doch wird es immer noch regelmäßig in der Forstinger Brauerei praktiziert. Weil das eher eine besondere Tätigkeit ist, sollte die Öffentlichkeit auch einmal davon erfahren, dafür bot sich jetzt die Bräu-Kirta an.

Heinrich Fleidl mit dem Baumharz.
Heinrich Fleidl mit dem Baumharz.

Der Geschäftsführer der Brauerei, Georg Lettl, führte nach dem Mittagessen mit Ochsenbraten und anderen bayerischen Spezialitäten einen Musikzug der „Steinhöringer Blasmusik“ an. Der kam auf der Westseite der Brauerei bei der Picherei zum Stehen, wo bereits seit der Früh das Feuer in den Öfen loderte um das Baumharz zu erhitzen. Seit 1920 gibt es dieses Gebäude samt seinem Elektromotor und den vielen Antriebsriemen der Transmission, die nach oben führen und die Kraft übertragen. Elektrizität gab es an dieser Stelle damals schon. Oben standen nun Ferdinand Bittner und Heinrich Fleidl, um die Fässer abwechselnd über eine der beiden Öffnungen des schwarzen Pich-Apparates zu heben. Mittels heißer Luft wird zuerst das vorhandene Pech herausgelöst, dann kommt neues hinein. Der würzige Duft in den Rauchschwaden stammte vom erhitzten Baumharz. Gleichmäßiges Rollen des Fasses sorgte anschließend dafür, dass sich alles im Inneren gut verteilte. Damit ist es innen völlig glatt und lässt sich fortan leichter reinigen, was der Haltbarkeit des Biers zugute kommt.

Bei den Schäfflergruppen ist es eine Schau,
für Ferdinand Bittner ist es aktuelles Handwerk.
Bei den Schäfflergruppen ist es eine Schau, für Ferdinand Bittner ist es aktuelles Handwerk.

Heute, erklärt Georg Lettl, habe man noch Eichenfässer, die allesamt Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Die machen sich gut bei Volksfesten oder da, wo es auch auf die Optik ankommt, ansonsten haben sich Fässer aus Edelstahl und Aluminium durchgesetzt. Trotzdem lebt hier dieses alte Handwerk fort. Einmal im Jahr erhält der Bestand mit dem Pech eine neue leicht zu reinigende Innenauskleidung. Damit man weiß, wofür dieser Aufwand überhaupt gut ist, floss Freibier aus einem Holzfass, von dem Kenner sagen, sie schmecken den Unterschied.

Hinten wird das alte Pech herausgelöst, vorne steigt neues ins
Fass.
Hinten wird das alte Pech herausgelöst, vorne steigt neues ins Fass.

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Die richtige Temperatur fürs Pech.
Die richtige Temperatur fürs Pech.

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Die Transmission.
Die Transmission.

Redensarten

Fässer herzustellen gehört mit den den alten Handwerkskünsten, aus denen sich bis heute auch viele Redewendungen erhalten haben. Pichen kommt von Pech, das dabei zum Einsatz kommt. Wer auf etwas „erpicht“ ist, ist auf etwas aus, klebt daran. „Pech gehabt“ hatte nicht nur der Vogel, der zu früheren Zeiten damit auf Zweigen gefangen wurde, sondern auch der Gast, der das letzte Glas Bier aus dem Fass manchmal mit Pechkrümeln erhielt. Und „zusammenhalten wie Pech und Schwefel“ ist eine besonders haltbare Verbindung.

„Außer Rand und Band“ war ein Fass, das oben und unten durch einen hölzernen Rand eingefasst und in der Mitte durch ein eisernes Band zusammengehalten wurde. „Ein Fass ohne Boden“ war nicht zu füllen. Die Kunst der Schäffler kommt auch aus dem Küfer-Handwerk zur Fertigung eines Fasses.

Eichenholzfass mit vielen Jahren auf dem Buckel.
Eichenholzfass mit vielen Jahren auf dem Buckel.

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